2004

Reisebericht  1 von Basel bis Montbéliard

 
Nach 7-jähriger Bauzeit ist es heute, Dienstag, 31. August 2004,  nun so weit: Wir werden die Coco de Mer einwassern.
Pünktlich morgens um 07.30 standen der 40t Pneukran und der Spezialtiefgänger bereit zum aufladen, um anschliessend in Basel im Auhafen einzuwassern.
Die Coco de Mer am Hafenkran
Nachdem die vorgefertigten Holzböcke montiert waren, wurde mit dem Hafenkran 350t der Mast auf die Böcke gelegt. Mit geübten Handgriffen wurden die Traggurte um die Coco de Mer gelegt und langsam wurde das Schiff angehoben und Richtung Rhein gefahren und gewassert.
Der Spezialttiefgänger bereit zur abfahrt
Während dieser Zeit machte sich bei mir ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bemerkbar und der Puls erhöhte sich merklich. Kein Mensch kann da mitfühlen, was da in einem persönlich abgeht, auch mit dem Gedanken im Hinterkopf “schwimmt sie“ überhaupt und stimmt die Wasserlinie. Was da für Emotionen hochkommen und Fragen über Fragen die mich überfallen wie eine Flutwelle bis sie endlich im Wasser schwimmt. Da endlich lässt dieser enorme Druck nach.

Auf einmal war alles wie weggeblasen, rein ins Schiff, um eine erste Dichtigkeits-Kontrolle vorzunehmen. Ein Blick in die Bilge lässt mein Blut in den Adern erstarren: “Oh Schreck“, es läuft Wasser in die Motorenbilge. Da gibt’s nur eins, nicht hadern, erst überlegen und nach kurzer Zeit war das Leck schnell entdeckt. Bei der Entlüftung der Gleitringdichtung an der Antriebswelle fehlte der Verschlusszapfen. Ein Handgriff genügte, nicht für den Zapfen, aber ein Schraubenzieher geht auch, den hatte ich zur Hand und schon war der Spuk vorbei.

endlich die Coco de Mer ist im Wasser
 

Schleuse Birsfelden

Nächste Phase, Motorentest: Schlüssel drehen und der Motor läuft auf Anhieb. Nun kommt die Arbeit, alles aufladen, Segel, Dingi und viel Loses Gehabe. Kurt, Verena und Hubi begleiten mich zur ersten Fahrt, bzw. zur absoluten Premiere ablegen bis zum nahe gelegenen Yachthafen Grenzach, ca. 1 Km am rechten Rheinufer. Dort war in der Zwischenzeit Therese eingetroffen, die leider arbeiten musste und Bruno, er brachte die Chica im Auto über die Grenze. Dann endlich konnten wir den ersten Hafentrunk geniessen. Nachdem die Gäste das Schiff verlassen hatten, bereiteten wir uns, Therese, Verena und Chicca auf die erste Nacht an Bord unserer Coco de Mer vor.
Am nächsten Morgen geht es weiter durch die Schleuse Birsfelden. Mit dem Handy habe ich uns beim Schleusenwärter angemeldet.

             Scheuse          einfahrt in die Schleuese Birsfelden          am Schwimmpoller befestigt geht es hinunter;

Die Schleuse war in Vorbereitung, wir mussten jedoch warten bis das grosse Holländische-Rheinschiff in die Schleuse eingefahren war und anschliessend konnten wir in die Schleuse einfahren und unser Schiff an einem Schwimmpoller belegen.
Es ist schon eindrücklich, wenn sich das riesige Schleusentor schliesst und das Wasser sich langsam absenkt.

Die Fahrt auf dem Rhein durch Basel war schön, es fordert immer höchste Konzentration beim fahren, da es doch einigen Schiffsverkehr hat auf den man immer achten muss.Beim Dreiländereck legten wir beim Schweizerzoll an, um uns betreffend den Zollvorschriften beim Ausreisen mit einer Yacht zu informieren. Der anwesende Zollbeamte hat uns freundlich empfangen und sagte, dass alles OK sei, wenn die MwSt. abgerechnet wurde.
auf dem Rhein durch Basel
Aur dem Rhein durch Basel
Schweizerzoll in Basel
Er gab uns noch interessante Unterlagen über den Rhein und die Schifffahrt und wünschte uns eine gute Reise. Weiter ging unsere Fahrt in den Yachthafen Weil am Rhein. Die nächste Überraschung liess nicht lange auf sich warten: ich wollte den Landstrom anschliessen aber der FI vom Hafen wie auch der im Schiff schalteten gleich alles aus. Nun musste der Elektriker kontaktiert werden um rauszufinden woher dieser Kurzschluss kam, der gleich alles ausser Betrieb setzte. Am nächsten Tag kam der Elektriker Oli um rauszufinden was defekt war. Nach dem ausmessen und durchchecken war bald klar, das Batterieladegerät war im Eimer. Ausbauen, einschicken und mit einem Provisorium weiterfahren, das war schnell mal klar. Für die nächsten Tage liessen wir unsere Coco de Mer imYachthafen Weil am Rhein.
               
Am 8.9.04 haben Therese und ich 1 Woche Ferien geplant um mit der Coco de Mer die ersten Schleusenerfahrungen zu machen und langsam Richtung Süden zu kommen. Es hat ganz gut angefangen bis zur Schleuse Niffer, da musste ich noch die Vignette lösen und der Schleusen- Wärter erlaubte es, die Coco de Mer in der Schleusenausfahrt fest zu machen und bei ihm im Kontrollturm die Vignette zu lösen. Ich stellte den Motor ab und holte die Vignette für 30 Tage. Als ich den Motor wieder starten wollte ging gar nichts mehr. Nun war guter Rat gefragt. Schon machte sich wieder dieses ungute Gefühl bemerkbar. Ein Telefon mit dem Schleusenwärter und Hilfe anfordern. Ein Arbeiter der VNF hat den Fehler sofort bemerkt, beim drehen des Zündschlüssels, hörte man das  Anlasserrelais nicht.  Es wurde nach einem Hammer verlangt, hatten wir aber nicht an Bord, aber genügend Holz. Mit einem rechten Kantholzresten geht das auch um auf den Anlasser zu klopfen und siehe da, der Motor läuft –
Schleuse Mulhus
und er läuft wieder wie ein Oergeli. Unsere bereits sensibilisierten Nerven haben sich wieder beruhigt und die Fahrt konnte weiter gehen Richtung Müllhausen. An den Peugeot- und Citroen-Werken vorbei in die Schleuse Müllhausen. Ich fahre langsam in die Schleuse, Therese ist mit der Leine schon parat, aber erwischt den Poller nicht, die Mauer ist zu hoch. Ich gebe retour Schub und der Motor stellt schon wieder ab. Ich renne nach vorn sage Therese der Motor ist verreckt und warte schon auf den Knall, da das Schiff immer noch auf vorwärts Kurs Richtung Schleusentor zugeht. Geistesgegenwärtig hat der Schleusenwärter endlich reagiert, ich werfe ihm die Leine zu und kann voll entgegenhalten. Das Schiff dreht sich quer und so kommt es zum Stillstand. Viel hat nicht gefehlt, aber Glück gehört halt auch dazu. Ich habe dann den Motor provisorisch mit höherem Standgas eingestellt, so dass wir noch in den Yachthafen von Müllhausen einlaufen konnten.
 

Donnerstag, 9.9.04, von Müllhausen nach Montbéliard – es waren 52 Schleusen und 50km zu bewältigen.

Am nächsten morgen um 09.00 haben wir mit dem Schleusenwärter abgemacht für die Weiterfahrt. Der Motor ist den ganzen Tag einwandfrei gelaufen somit kam bei Therese wie auch bei mir wieder etwas Sicherheit auf. Am Abend waren wir im Hafen von Botans. Löwe von Belefort

Freitag, 10.9.04  
Pünktlich um 09.00h sind wir an der Schleuse und es geht  weiter die Schleusentreppe hoch, total 9 Schleusen hintereinander. Unser Ziel war Montbéliard. Alles lief hervorragend, zeitlich waren wir im Programm. Um 12.30 machten die Schleusenbegleiter Mittag und wir legten vor der Schleuse, Backbord an. Der Ort war sehr idyllisch, wir konnten uns verpflegen und die Chicca konnte sich austoben und Rumrennen. Um 13.30 drehte Peter den Zündschlüssel und “O weh“ der Motor springt nicht an. In der Zwischenzeit konnte uns das nicht mehr schocken, Motorenraum auf, Holzklotz zur Hand und während Therese den Zündschlüssel dreht, kräftig drauf klopfen bis er anspringt. Unsere Fahrt geht weiter Richtung Montbéliard durch diverse Schleusen und einer Drehbrücke und Wasserbrücke. Alles verlief bis anhin problemlos bis zwischen Schleuse11 und 12. Ein abgelegenes Waldstück, Therese am Ruder und ich studierte die UL und der Motor stellt während der Fahrt ab, wie wenn jemand den Stecker ausgezogen hätte. Kein stottern, rein nichts war zu hören.

Château de Montbèliard
Nun treiben wir mitten im Kanal mit der Strömung und mit Hilfe des Bugstrahlruders. Unter einer Autostrassenbrücke versuchen wir anzulegen, was uns auch gelang. Festmachen konnten wir an Bäumen. Peter musste wieder in den Motorenraum und nach der Ursache suchen. Es war aber nichts sichtbar und das Holz hat auch nicht geholfen. Nach ca. 30 Minuten kamen die Schleusenwärterinnen mit dem Töffli, da sie uns vermissten. Wir haben ihnen unser Motorenproblem geschildert und sie hat einen Dieselmechaniker angerufen. Noch während des Telefons hat Therese gesagt, komm wir probieren nochmals mit dem Holz, ein, zweimal, Therese rief fester und der Motor springt wieder an. Gott sei Dank! Sofort Leinen los und zur nächsten Schleuse, die zweitletzte an diesem Tag. Alles verlief wieder reibungslos und wir legten sicher im Yachthafen von Montbéliard an wo wir die Coco de Mer für 14 Tage stehen lassen.
Am Samstag wurde der Anlasser ausgebaut und zerlegt, er wird gereinigt und geschmiert und wieder eingebaut. Zum Glück waren wir in einer grösseren Stadt und konnten das fehlende Werkzeug besorgen. Am Nachmittag waren die Arbeiten beendet und der Motor konnte mit dem Probelauf getestet werden. Ich startete den Motor einige Male und der Anlasser scheint zu funktionieren. Jetzt musste noch die Leerlaufdrehzahl eingestellt  werden, so dass im Standgas die Schraube dreht ohne dass der Motor abstirbt. Erfolgreich konnten wir den Samstag abschliessen und uns unserem Besuch Verena und Robert widmen, die in der Zwischenzeit angekommen waren. Wir brauchten ja eine Rückfahrtgelegenheit bis nach Weil am Rhein wo unser Auto parkiert war.
Es war eine angespannte Woche mit viel Adrenalin, aber auch eine schöne und erlebnisreiche Zeit. Das Wetter spielte mit und die Landschaft präsentierte sich in ihrem wunderschönsten Herbstkleid.
 
Der nächste Bericht folgt!
Schleuse Brisfelden
Yachthafen Weil am Rhein

 

endlich im Wasser
Schleuse Birsfelden
Schleuse Birsfelden
In der Schleuse Birsfelden
Die Coco de Mer am Schwimmpoller
Wettsteinbrücke in Basel
Auf dem Rhein durch Basel
Zoll Basel
Im Yachthafen Weil am Rhein
Auch Chicca ist müde
Schleuse Mulhus
löwe von Belefort